Thomas Mann – Der Tod in Venedig

thomas mann - der tod in venedigDie Geschichte ist schnell erzählt: Der Schriftsteller Gustav von Aschenbach reist nach Venedig, wo er sich in den 14jährigen Tadzio verliebt, diesen durch die Cholera verseuchte Stadt verfolgt – und am Ende stirbt. Lange Zeit war Der Tod in Venedig Teil des schwulen Kanons. Aber muss man die Novelle heute noch lesen?

 

 

 

 

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Chinelo Okparanta – „Under the Udala Trees“

chinelo okparanta - under the udala treesEs ist 1968 als der Krieg zwischen den verschiedenen Volksgruppen in Nigeria seinen Höhepunkt erreicht und die 12jährige Ijeoma ihren Vater bei einem Bombenangriff verliert. Ihre von Trauer überwältigte Mutter schickt sie zu einem befreundeten Ehepaar, wo so die Waise Amina kennenlernt. Amina ist Hausa, Ijemoa Igbo. Ihre junge Liebe wird Ijeomas Leben bestimmen. Chinelo Okparanta erzählt in ihrem Debütroman Under the Udala Trees die Coming-of-Age Geschichte eines Mädchens und eines Landes.

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Davit Gabunia – „Farben der Nacht“

davit gabunia - farben der nachtAuf der Frankfurter Buchmesse 2018 war Georgien Ehrengast. Eines der dort vorgestellten Bücher: Farben der Nacht, das Debüt von Davit Gabunia erschienen im Rowohlt Verlag. Das Wort Debüt ist jedoch etwas irreführend, denn in seinem Heimatland kennt man Gabunias Namen durchaus. Er hat Harry Potter und Shakespeare ins Georgische übersetzt und sowohl Theaterstücke als auch eine TV Serie geschrieben. Hoch- und Populärkultur vereinen, das können die wenigsten. Entsprechend hoch waren natürlich die Erwartungen an den Roman.

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John Boyne – „The Heart’s Invisible Furies“

John Boyne - The Heart's Invisible FuriesFür The Heart’s Invisible Furies hat sich John Boyne, bekannt für sein Kinderbuch The Boy in the Striped Pyjamas, eine Menge vorgenommen: Anhand von Lebensabschnitten im Abstand von jeweils sieben Jahren erzählt Cyril Avery in einem leichten Ton sein eigenes Leben – und damit ein Stück irischer und schwuler Geschichte. Leider scheitert das Buch auf ganzer Linie an John Boynes eigenen Ambitionen.

 

 

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Colm Tóibín – „Love in a Dark Time. Gay Lives From Wilde to Almodóvar“

F05BF3C0-1571-4A01-921F-0F283197DD84Den meisten ist Colm Tóibín wohl als Autor von The Story of the Night, The Blackwater Lightship oder auch The Master bekannt, alles Bücher, die für den Booker Prize beziehungsweise den Man Booker Prize nominiert waren und sich auf unterschiedliche Art mit homosexuellen Identitäten auseinandersetzen. Tóibín war aber ebenso als Journalist tätig. Love in a Dark Time. Gay Lives from Wilde to Almodóvar ist ein Ergebnis davon, ein Großteil der Essays ist zuvor in London Review of Books erschienen. Das Buch bietet aber auch Aufschluss über Tóibíns Werk, denn als Andrew O’Hagan von der Zeitschrift 1993 mit der Frage an ihn trat, über seine eigene Homosexualität zu schreiben, hatte er noch keines der oben genannten Bücher geschrieben und fühlte sich alles andere als bereit, diesen Teil von sich selbst zu konfrontieren. Erst der Umweg über fremde Biographien ermöglichte ihm das.

 

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What cheer, eh? – „At Swim, Two Boys“ von Jamie O’Neill

8A9C1ADD-E922-469E-9007-57E8E00376D4„Grey morning dulled the bay. Banks of clouds, Howth just one more bank, rolled to sea, where other Howths grumbled to greet them. Swollen spumless tide. Heads that bobbed like floating gulls and gulls that floating bobbed like heads. Two heads. At swim, two boys.“

Wie kann man, wie kann ich diesem Buch gerecht werden? 10 Jahre hat Jamie O’Neill an seinem Werk geschrieben und ihm ist gelungen, was sonst keiner geschafft hat: At Swim, Two Boys ist ein Klassiker der irischen und der schwulen Literatur. Schon der Titel spielt auf „At Swim-Two Birds“ an, dem irischen Klassiker von Flann O’Brian. Und auch dem Roman schlechthin, „Ulysses“ von James Joyce, huldigt O’Neill: sei es durch den immer wieder einbrechenden Gedankenstrom oder durch die Konstellation der Figuren: O’Neill nutzt seine Vorgänger um eine Geschichte über Irland, Freiheit und die Liebe zweier Jungen zu erzählen.

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Der Paragraph 175 und die Literatur, die es nicht gibt

Screenshot (5)An amerikanischen Universitäten wird in Grenzbereichen durchaus so etwas wie ein schwuler oder queerer Kanon gelehrt. Dieser orientiert sich größtenteils an Epochen wie der Stonewall Bewegung, der AIDS Epidemie und der anhaltenden Liberalisierung. Queere Literatur ist also immer in irgendeiner Form auch politisch. Mit diesem Kanon geht nur ein Problem einher: Er ist zutiefst amerikanisch und lässt sich nicht auf alle Lebensrealitäten übertragen. Eine dieser Realitäten ist der Paragraph 175.

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Josef Winkler – „Das Zöglingsheft des Jean Genet“

Josef Winkler - Das Zäglingsheft des Jean GenetIn A Room of One’s Own schreibt Virginia Woolf, dass Frauen durch ihre Mütter schreiben. Sich zurückbesinnen auf das, was vorher war. So entsteht eine Tradition weiblichen Schreibens. Für die (westliche) Tradition schwulen Schreibens nimmt diese Rolle Jean Genet ein. Wenn schwule Autoren davon erzählen, welche Autoren ihnen gezeigt haben, dass es einen Platz für sie in der literarischen Welt gibt, dann steht Jean Genet neben James Baldwin an erster Stelle. Beiden kannten sich übrigens und lernten sich in Paris kennen. In James Baldwins Klassiker Giovanni’s Room tauchen sogar zwei Figuren auf, die unschwer als Genet selbst (ein Schriftsteller, der nicht aufhören kann über seine Gefängnisaufenthalte zu erzählen) und seine Hauptfigur aus Notre-Dames-des-Fleurs, der Transvestit Divine, zu erkennen sind. Kein Wunder also, dass die meisten Leser zwar schon einmal etwas über Genet gelesen haben, aber noch nichts von Genet. Dabei hatte Genet selbst keinen größeren Wunsch als vergessen zu werden und hinter seinem Werk zu verschwinden. Wenn das eigene Werk jedoch so sehr mit dem eigenen Leben oder vielmehr der Interpretation von jenem verwoben ist, scheint das unmöglich. Das ist wohl einer der Widersprüche, die Genet so unwiderstehlich machen.

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Weniger ist mehr – „Less“ von Andrew Sean Greer

Andrew Sean Greer - LessIch bin ein Snob. Als ich irgendwann im März das erste Mal von Andrew Sean Greers Roman Less erfuhr und mir eine Inhaltsangabe durchlas, dachte ich: „Klingt nett, aber etwas zu seicht.“ Auch als ich den Roman dann in einer Buchhandlung in den Händen hielt, wiederholten sich meine Gedanken und ich entschied mich dafür, es irgendwann, später, vielleicht, in einem Sommerloch oder sonst wann, zu lesen. Nun hat der Roman am 16. April den Pulitzer Preis für Belletristik gewonnen und mir wurde einmal mehr bewusst, wie elitär mein Verhältnis zur Literatur tatsächlich ist. Mein erster Gedanke war nicht „Vielleicht ist das Buch doch besser, als gedacht und der Verlag muss lernen, bessere Klappentexte zu schreiben“, sondern: „Dürfen jetzt auch Schwule über alternde, weiße (langweilige) Männer schreiben, die im Literaturbetrieb arbeiten und eine Midlife-Crisis haben?“ Tja, dürfen sie. Denn im Gegensatz zu der überwältigenden Flut an heterosexueller Literatur mit ähnlichem Inhalt kommt tatsächlich etwas Neues und Interessantes dabei heraus.

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Paris brennt noch immer – „The House of Impossible Beauties“ von Joseph Cassara

Joseph Cassara - The House of Impossbile BeautiesViele Geschichten sind Zeit und Ignoranz zum Opfer gefallen. Weil sie nicht aufgeschrieben wurden und weil diejenigen, die sie hätten erzählen können, zu früh aus diesem Leben gerissen wurden, sind vor allem in der queeren Geschichte Leerstellen entstanden, von denen die heutige Generation oft nicht einmal weiß, dass es sie gibt. Und gerade hier hat die Macht der Fiktion die Möglichkeit, diese klaffenden Wunden vielleicht nicht zu heilen, aber dem namenlosen Schmerz Ausdruck zu verleihen. Genau das versucht Joseph Cassara mit seinem Debutroman The House of Impossible Beauties zu erreichen.

 

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