Sentimentheken – Ansätze zu einem schwulen Kanon: 1. Einleitung

Betrachtet man die unterschiedlichen Ausprägungen des Kanons der Weltliteratur, – denn in der Literaturwissenschaft geht man mittlerweile mehrheitlich von einer Kanonpluralität aus[1] – fällt auf, dass homosexuelle Autoren wie Oscar Wilde, Thomas Mann, Jean Genet und James Baldwin durchaus in eben jenen vertreten sind. Die Frage, ob Homosexuelle nicht nur in der Mitte der Gesellschaft, sondern auch in der Mitte der Literatur angekommen sind, ist durchaus berechtigt. Und darauf aufbauend: Ist ein schwuler Kanon überhaupt noch notwendig oder besteht die Gefahr der „Ghettoisierung“[2]?

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Philippe Besson – Hör auf zu lügen

Nachdem auch wirklich jeder sich auf Social Media zu Hör auf zu lügen von Philippe Besson geäußert hat, melde auch ich mich, mit einigen Monaten Verspätung, zu Wort. Aber kann man überhaupt noch etwas Neues zu diesem Buch sagen? Angefangen beim hässlichen Cover (Sorry!), über den Inhalt, bis hin zum autofiktionalen Charakter des Werkes wurde ja alles ausdiskutiert. Aber versuchen wir es doch trotzdem mal.

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Odd Klippenvåg – Ein liebenswerter Mensch

Odd Klippenvåg – Ein liebenswerter Mensch

Pünktlich zur Frankfurter Buchmesse sind vermehrt Bücher von AutorInnen aus Norwegen ins Deutsche übersetzt worden. Wer aufpasst, wird beim Albino Verlag auch norwegische schwule Literatur entdecken: Ein liebenswerter Mensch von Odd Klippenvåg. Tatsächlich handelt es sich dabei aber nicht um die erste Übersetzung des Schriftstellers ins Deutsche. Bereits 2010 ist Der Stand der Dinge im Männerschwarm Verlag erschienen.

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Alan Hollinghurst – The Line of Beauty

Alan Hollinghurst - The Line of Beauty

2004 mit dem Man Booker Preis ausgezeichnet, lässt sich Alan Hollinghursts The Line of Beauty am Besten in Kontext mit seinem Debüt The Swimming-Pool Library lesen. Denn Nick Guest scheint eine konsequente Weiterentwicklung von William Beckwith zu sein. Auch er ist ein Ästhet, ein Anhänger von Henry James und Hogharths Schönheitslinie, in deren Form – ähnlich einem S oder einer Schlangenbewegung – die Schönheit selbst verborgen liegt. Und wieder beginnt die Handlung im Jahre 1983, in jenem letzten Jahr vor AIDS also. Dieses Mal erstreckt sich die Handlung jedoch weiter, bis in die Jahre 1986 und 1987. Die Jahre in denen Margaret Thatcher regiert und alles Schöne ein Ende finden muss.

 

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Derek Jarman – Modern Nature

Derek Jarman - Modern Nature

Auch über 20 Jahre nach Derek Jarmans Tod ist Prospect Cottage so etwas wie eine Art Pilgerstätte. Mal mit einer Ausgabe von Modern Nature in den Händen, mal ohne tauchen immer wieder in Tränen aufgelöste Männer um die 50 vor der kleinen Hütte am Kiesstrand von Dungeness mit Ausblick auf ein Atomkraftwerk auf. Was sie vereint, ist, dass sie überlebt haben.

 

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Hervé Guibert – Dem Freund, der mir das Leben nicht gerettet hat

Dem Freund, der mir das Leben nicht gerettet hat war 1990 bei seiner Veröffentlichung in Frankreich ein Skandal. Guibert, der in Frankreich durchaus bekannt war, zwang, durch die schonungslose Beschreibung seiner AIDS Erkrankung, die Öffentlichkeit dazu, über die Krankheit zu sprechen. Doch der eigentliche Skandal war – und ist – die Figur Muzil, welche die französische Presse in dem autofiktional angelegten Werk sehr schnell als den weltberühmten Philosophen Michel Foucault entlarven konnte. Sechs Jahre nach seinem Tod war plötzlich klar, dass Foucault nicht wie offiziell bekannt an Krebs, sondern an den Folgen einer AIDS Infektion gestorben war.

 

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Susan Sontag – AIDS and its Metaphors

Susan Sontag - AIDS and its MetaphorsDie wenigsten DenkerInnen unserer Zeit haben sich ihren Themen so empathisch und leidenschaftlich genähert, wie Susan Sontag es getan hat. Das gilt besonders für  Illness as Metaphor und den Folgeessay AIDS and Its Metaphors. In diesen dekonstruiert sie wie sprachliche Konventionen rund um Krankheiten wie Tuberkulose, Krebs und AIDS politische und gesellschaftliche Diskurse lenken.

 

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