„What cheer, eh?“ – At Swim, Two Boy von Jamie O’Neill

8A9C1ADD-E922-469E-9007-57E8E00376D4„Grey morning dulled the bay. Banks of clouds, Howth just one more bank, rolled to sea, where other Howths grumbled to greet them. Swollen spumless tide. Heads that bobbed like floating gulls and gulls that floating bobbed like heads. Two heads. At swim, two boys.“

Wie kann man, wie kann ich diesem Buch gerecht werden? 10 Jahre hat Jamie O’Neill an seinem Werk geschrieben und ihm ist gelungen, was sonst keiner geschafft hat: At Swim, Two Boys ist ein Klassiker der irischen und der schwulen Literatur. Schon der Titel spielt auf „At Swim-Two Birds“ an, dem irischen Klassiker von Flann O’Brian. Und auch dem Roman schlechthin, „Ulysses“ von James Joyce, huldigt O’Neill: sei es durch den immer wieder einbrechenden Gedankenstrom oder durch die Konstellation der Figuren: O’Neill nutzt seine Vorgänger um eine Geschichte über Irland, Freiheit und die Liebe zweier Jungen zu erzählen.

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Der Paragraph 175 und die Literatur, die es nicht gibt

Screenshot (5)An amerikanischen Universitäten wird in Grenzbereichen durchaus so etwas wie ein schwuler oder queerer Kanon gelehrt. Dieser orientiert sich größtenteils an Epochen wie der Stonewall Bewegung, der AIDS Epidemie und der anhaltenden Liberalisierung. Queere Literatur ist also immer in irgendeiner Form auch politisch. Mit diesem Kanon geht nur ein Problem einher: Er ist zutiefst amerikanisch und lässt sich nicht auf alle Lebensrealitäten übertragen. Eine dieser Realitäten ist der Paragraph 175.

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Josef Winkler – „Das Zöglingsheft des Jean Genet“

Josef Winkler - Das Zäglingsheft des Jean GenetIn A Room of One’s Own schreibt Virginia Woolf, dass Frauen durch ihre Mütter schreiben. Sich zurückbesinnen auf das, was vorher war. So entsteht eine Tradition weiblichen Schreibens. Für die (westliche) Tradition schwulen Schreibens nimmt diese Rolle Jean Genet ein. Wenn schwule Autoren davon erzählen, welche Autoren ihnen gezeigt haben, dass es einen Platz für sie in der literarischen Welt gibt, dann steht Jean Genet neben James Baldwin an erster Stelle. Beiden kannten sich übrigens und lernten sich in Paris kennen. In James Baldwins Klassiker Giovanni’s Room tauchen sogar zwei Figuren auf, die unschwer als Genet selbst (ein Schriftsteller, der nicht aufhören kann über seine Gefängnisaufenthalte zu erzählen) und seine Hauptfigur aus Notre-Dames-des-Fleurs, der Transvestit Divine, zu erkennen sind. Kein Wunder also, dass die meisten Leser zwar schon einmal etwas über Genet gelesen haben, aber noch nichts von Genet. Dabei hatte Genet selbst keinen größeren Wunsch als vergessen zu werden und hinter seinem Werk zu verschwinden. Wenn das eigene Werk jedoch so sehr mit dem eigenen Leben oder vielmehr der Interpretation von jenem verwoben ist, scheint das unmöglich. Das ist wohl einer der Widersprüche, die Genet so unwiderstehlich machen.

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Weniger ist mehr – „Less“ von Andrew Sean Greer

Andrew Sean Greer - LessIch bin ein Snob. Als ich irgendwann im März das erste Mal von Andrew Sean Greers Roman Less erfuhr und mir eine Inhaltsangabe durchlas, dachte ich: „Klingt nett, aber etwas zu seicht.“ Auch als ich den Roman dann in einer Buchhandlung in den Händen hielt, wiederholten sich meine Gedanken und ich entschied mich dafür, es irgendwann, später, vielleicht, in einem Sommerloch oder sonst wann, zu lesen. Nun hat der Roman am 16. April den Pulitzer Preis für Belletristik gewonnen und mir wurde einmal mehr bewusst, wie elitär mein Verhältnis zur Literatur tatsächlich ist. Mein erster Gedanke war nicht „Vielleicht ist das Buch doch besser, als gedacht und der Verlag muss lernen, bessere Klappentexte zu schreiben“, sondern: „Dürfen jetzt auch Schwule über alternde, weiße (langweilige) Männer schreiben, die im Literaturbetrieb arbeiten und eine Midlife-Crisis haben?“ Tja, dürfen sie. Denn im Gegensatz zu der überwältigenden Flut an heterosexueller Literatur mit ähnlichem Inhalt kommt tatsächlich etwas Neues und Interessantes dabei heraus.

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Paris brennt noch immer – „The House of Impossible Beauties“ von Joseph Cassara

Joseph Cassara - The House of Impossbile BeautiesViele Geschichten sind Zeit und Ignoranz zum Opfer gefallen. Weil sie nicht aufgeschrieben wurden und weil diejenigen, die sie hätten erzählen können, zu früh aus diesem Leben gerissen wurden, sind vor allem in der queeren Geschichte Leerstellen entstanden, von denen die heutige Generation oft nicht einmal weiß, dass es sie gibt. Und gerade hier hat die Macht der Fiktion die Möglichkeit, diese klaffenden Wunden vielleicht nicht zu heilen, aber dem namenlosen Schmerz Ausdruck zu verleihen. Genau das versucht Joseph Cassara mit seinem Debutroman The House of Impossible Beauties zu erreichen.

 

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Schattenspiele: Die literarische Darstellung von Homosexualität im südafrikanischen Roman

Shadow Game - 7 Steps to HeavenIch habe eine (etwas ältere) Hausarbeit herausgekramt, in der ich mich mit der literarischen Darstellung von Homosexualität während und nach der Apartheid im südafrikanischen Roman auseinandergesetzt habe. Im Zentrum der Untersuchung stehen die Romane Shadow Game von Michael Power und 7 Steps to Heaven von Fred Khumalo. Ich würde wahrscheinlich nicht mehr alles unterschreiben, was in dieser Arbeit steht, aber einen interessanten Ausgangspunkt zum Diskutieren bietet sie sicherlich noch.

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Eine persönliche Liebeserklärung an „Call Me by Your Name“ von André Aciman

IMG_6153Was gibt es noch Neues zu sagen zu Call Me by Your Name, einem Roman, der bereits 2007 erschienen ist und spätestens mit der Oscar-nominierten Verfilmung von 2017 den Mainstream erreicht hat? Wahrscheinlich nicht viel – bis auf das, was dieser Roman persönlich für mich bedeutet.

 

 

 

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Die Würde des queeren Körpers – Garth Greenwell auf der lit.cologne

Garth Greenwell - What Belongs To YouWenn Garth Greenwell, ein Hühne von einem Mann, auf die Bühne tritt und in seinem Stuhl zu versinken droht, entsteht schnell der Eindruck, dass sein eigener Körper zu groß für ihn ist, dass er verschwinden möchte. Dann beginnt er über seinen Roman What Belongs To You zu sprechen und es besteht kein Zweifel mehr daran, dass Garth Greenwell gekommen ist, weil er etwas zu sagen hat.

 

 

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Hanya Yanagihara – A Little Life: Zwischen Zuckerbrot und Peitsche (oder auch: Warum A Little Life ein ziemlich beschissenes Buch ist und mich ziemlich wütend macht)

Als ich im vergangenen Sommer Hanya Yanagiharas monumental langes Werk A Little Life aus den Händen legte, befand ich mich in Ekstase. 720 Seiten lang (und etwas mehr als 1000 in der deutschen Übersetzung) begleitet man die vier Freunde Jude, Willem, JB und Malcom in ihrem kleinen Leben voller Hochs und Tiefs, Melodramatik, Erfolge und Rückschläge, großer Liebeserklärungen und niederschmetternder Schicksalsschläge – und dabei wird kein noch so schmerzhaftes Detail ausgelassen. Jetzt, der Staub hat sich sozusagen gelegt, ist von dieser Ekstase nicht mehr viel übrig.

(Achtung: Diese Kritik spricht im Detail über die Handlung, auch über das Ende des Romans!)

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American Psycho und das Zelebrieren der Apathie

Während Bret Easton Ellis heutzutage mit gerade einmal 140 Zeichen auf Twitter kleine Skandale auslöst, hat er in den 80er und 90er Jahren noch mit seinen Romanen Less then Zero, The Rules of Attraction und American Psycho Aufmerksamkeit erregt. Seine Romane, die über wiederkehrende oder miteinander verwandte Charaktere alle irgendwie miteinander in Verbindung stehen, beschreiben eine Generation, die sich in einem Sumpf aus Drogen, Sex und Apathie verloren hat. Weiterlesen „American Psycho und das Zelebrieren der Apathie“